202563_274745889306622_2063524575_o16:00 – Roter Salon

Eine einheitliche Gestaltung fügt die Veröffentlichungen des norwegischen Experimental-Pop-Labels Hubro zu einem großen Ganzen zusammen: Jedes Cover ein verwackelter Schappschuss, darauf die Titel in etwas unbeholfenen Großbuchstaben. Eines dieser Cover zeigt eine Küste – Felsen, Brandung, das Meer scheint zu brennen. Es ist die aktuelle Single von Jessica Sligter, »Surrounds, Surrounds Me« heißt sie und das Bild trifft ihre Musik. Sligters Songs haben in der Tat etwas ozeanisches an sich, haben die beruhigende Wirkung eines Gemäldes von Caspar David Friedrich, doch brausen sie manchmal auf, denn irgendwo in der Ferne scheint es zu brennen, irgendwo ist etwas nicht in Ordnung. Die holländische Künstlerin lebt in Oslo, aus ihren früheren Projekten und Sacred Harp ist «Jessica Sligter« geworden. Sie kollaboriert regelmäßig mit ihren Kolleginnen Jenny Hval und Susanna und geht auch schon mal mit dem renommierten Trondheim Jazz Orchestra ins Studio. Sligter ist eine der großen Entdeckungen des diesjährigen Festivals, denn ihre Musik ist nicht nur komplex und emotional, sondern auf eine ihr eigene Art ausgesprochen politisch. Es ist fast Kritische Theorie, die Sligter in ihren Texten betreibt, feministische und kapitalismuskritische Torch-Songs, gleichermaßen wuchtig und innig. Es braucht kaum mehr als diese Kostprobe um ihr Konzert nicht missen zu wollen.

An adeptly unified design scheme allows for the connection of any single release on the Norwegian experimental pop label Hubro to all of the others. An offhand snapshot extends across the cover of each release, ornamented by the title and artist name spelled out in ungainly, handwritten characters. One of these covers shows a rugged, plunging coastline in high-contrast black and white opening onto water that looks like it’s on fire. This is “Surrounds, Surrounds Me”, the new single by Jessica Sligter. The photograph sets an apt stage: Sligter’s songs are oceanic. They affect calm in the manner of a Caspar David Friedrich painting, but a radar would register traces of volatility—around some corner, something has caught fire. The Dutch artist lives in Oslo and has matured out of her earlier projects and Sacred Harp into a sophisticated collaborator with Jenny Hval, Susanna, and the reputable Trondheim Jazz Orchestra. Sligter’s ability to write songs as boldly political as they are complex and emotional make her one of this year’s big discoveries for us. Her lyrics might as well be critical theory, and they lead the way to form feminist and capitalism-critical torch songs equally powerful and intimate. This sample should suffice as an argument.