RVNGNL47-Lucrecia-Dalt-Press-Photo-Web-03-Photo-Credit-Regina-de-MiguelEs gibt Pop-Künstler*innen deren theoretischer Tiefe das Format unserer kurzen Biographien gar nicht gerecht werden kann. Lucrecia Dalt ist eine von ihnen. Die in Berlin lebende Künstlerin stammt eigentlich aus Kolumbien, und, noch ein eigentlich, sie ist oder war mal Ingenieurin für Geotechnik. Diesen Interessen entspringen sowohl die Themen als auch der Titel ihres neuen, sechsten Albums »Anticlines«. Eine Antikline, so lehrt uns das Internet ist ein geologischer Sattel, eine durch Faltung erzeugte Aufwölbung geschichteter Gesteine. Frappierend, wie treffend dieser Begriff die Klänge der Künstlerin beschreibt. Loops und scheinbar ausserirdische Signale wölben, schlingern und schleifen sich in kurvigen Bahnen an die Oberfläche; eine Oberfläche an der Dalt den scheinbar freilaufenden Schleifen mit eher gesprochenen als gesungenen Texten sodann eine Form zuweist. In diesen treibt Dalt die ungewöhnliche Symbiose aus Pop-Musik und Geologie weiter voran: Um Meteoriten geht es, um Mars, Erde und Antarktis, um Mineralien, Teer und, logisch, die Heliopause. Dass es sich dabei um mehr als einen Grundkurs in Geologie handelt schwant uns bald: Um Grenzen und deren Aufhebung geht es. Um Verwandlungen und Veränderungen, um Gegenwart und Zukunft, um die Welt im Prozess und den Menschen darin. Dalts Musik ist so durchdacht wie bezaubernd und der Verbund von theoretischer Poesie und hypnotisierendem Sound wohl weit und breit einzigartig.

There are pop artists whose theoretical depths can never be done justice by our short biographies, and Lucrecia Dalt is one of them. The artist, who lives in Berlin, actually comes from Colombia, and (insert one more “actually”), she is, or was, a geotechnical engineer. These interests have given rise to both the themes and the title of her newest and sixth album, Anticlines. An anticline, as the internet teaches us, is a geological arch, a bulge of layered rock created by years of folding. It’s striking how aptly this term describes the artist’s sound. Loops and alien signals bend, lurch, and bow into curved trajectories on the surface—a surface upon which Dalt then gives shape to her free-wheeling repetitions with spoken, more than sung, words. In her lyrics, Dalt digs deep into the unusual symbiosis of pop music and geology, telling of meteorites, Mars, Earth, Antarctica, minerals, tar, and, naturally, the Heliopause. The fact that the album acts as an equivalent to a introductory course in geology is par for the course—its real themes, though, are borders and their dissolution, metamorphosis and change, present and future; the world amidst those processes and the people in it. Dalt’s music is as thoroughly premeditated as it is enchanting. Its combination of theoretical poetry and mesmerizing sound make for a uniqueness of tectonic proportions.