Anlässlich des Torstraßen Festivals luden wir in diesem Jahr zur Diskussion rund um das Thema Musikkultur in Berlin-Mitte ein. Auf Gespräch und Kennenlernen am Vorabend des Festivals folgte am Samstag ein geführter Rundgang über das Festival selbst. Mit diesen drei Programmpunkten wollten wir, einen kreativen und unvoreingenommenen Beitrag zur Stadtentwicklung zu leisten, neue Anstöße zu geben und Positionen auszutauschen. Wir luden alle Interessierten dazu ein und das Interesse war groß. Unser Dank gilt dem Musicboard Berlin, der diesen Aspekt des Festivals im Rahmen des Programms «Pop im Kiez» mit einer Förderung unterstützte.

TALK! 

Das Festival startete schon am Vorabend mit einer Diskussionsrunde im Ackerstadtpalast. Die Fragestellung: «Wie steht es eigentlich um die Musikkultur in Berlin-Mitte?» Berlin-Mitte hat sich in den letzten 5 bis 10 Jahren stark verändert. Baulücken wurden geschlossen, Mieten erhöht, die Bevölkerungsstruktur hat sich verändert. Kultur wurde verdrängt, Kultur ist neu entstanden, alte und neue Strukturen existieren parallel. Der Einfluss gewinnorientiert agierender Hauseigentümer auf die Kiezstruktur, insbesondere auf Orte der unkommerziellen Musikkultur, zeigt sich an den Beispielen Schokoladen (in dem der Konflikt gelöst werden konnte) und aktuell am Baiz. Gleichzeitig entstehen neue Läden.

In drei aufeinanderfolgenden Diskussionsrunden trafen unterschiedliche Perspektiven aufeinander. Zu den Gästen auf dem Podium gehörten Ladenbetreiber, Künstler und Politiker wie Anja Gerlich (Schokoladen e.V.), Carsten Spallek (Bezirksrat für Stadtentwicklung, CDU), Dr. Christian Hanke (Bezirksbürgermeister, SPD), Ben de Biel (Maria am Ostbahnhof, Eimer), Johannes von Weizsäcker (Musiker und Journalist), Lutz Leichsenring (Clubcommission), Henning Lahmen (No Fear of Pop), Uwe Müller (Bonbon Bar), Michael Trellenkamp (Baiz), Nadine Finsterbusch (Musikerin) und Katja Lucker (Musicboard Berlin). Auch im Publikum saßen zahlreiche Beteiligte, die Moderation führte Jens Balzer (Berliner Zeitung).

MEET! 

Da beim Festival selbst die meisten Anrainer in ihren eigenen Läden beschäftigt sind, luden wir nach der Diskussionsrunde alle Nachbarn ein, bei Musik und Drinks das Thema weiter zu vertiefen und sich kennenzulernen. Für Berliner Musik sorgte David Strauss (ExBerliner/Network Awesome), Henning Lahmann (No Fear of Pop) legte Gegenwartspop auf.

WALK!

Der Festivaltag selbst startete mit einem musikkulturellen Spaziergang über das Torstraßen Festival zu dem wir wir Nachbarn, Politiker und alle Interessierten einluden. Als Tourguide konnten wir Ulrich Gutmair gewinnen, Kulturredakteur der taz und Autor des kürzlich erschienenen Buches “Die ersten Tage von Berlin: Der Sound der Wende“ (Tropen Verlag). Darin verwebt Gutmair Erinnerungen und historisches Material der kulturellen Umbrüche in Mitte nach der Wende, als Künstler und Hausbesetzer, Clubbetreiber und Galeristen, DJs und Raver eine Szene etablierten, die das Viertel noch heute prägt. Thema des 2-stündigen Spaziergangs waren die Orte und Hintergründe des Festivals und der Musikkultur und -geschichte des Stadtteils. Der Rundgang war gratis und der Andrang groß.

 


Talk! Meet! Walk! wird gefördert durch das Musicboard Berlin.