Siinai

2014

Man hat es geahnt, auch in diesem Jahr schicken wir einen finnischen Joker ins Rennen: Siinai, das Quartett bestehend aus den Nachnamensvettern Risto und Markus Joensuu, bekannt aus einer fulminanten Vergangenheit bei Joensuu 1865, sowie Matti Ahopelto und Saku Kämäräinen darf man wohl mit Fug und Recht als die momentan aufregendste finnische Exportware bezeichnen. Und die Warenwelt, das ist neuerdings auch ihr Thema. Denn nach dem hymnischen Erstling Olympic Games und einer spektakulären Kooperation mit Wolf Parade Sänger Spencer Krug alias Moonface heißt das neue Album nun Supermarket und entwickelt die ausschweifend hypnotische, immer konzeptuell gedachte Instrumentalmusik der Finnen weiter. Dabei ist Siinai eine der wenigen Bands, die es schaffen, einen eigentlich retrospektiven Sound zwischen Kraut und Minimal Music auch in der Jetztzeit zu verankern. Supermarket klingt nach Hochfrequenzhandel, Produktivitätswahn, Selbstoptimierung und Psychopharmaka. Eskapismus gegen Entfremdung. Im analog getakteten Rhythmus verschwimmen die Grenzen zwischen Kafka, Kraftwerk, Kaufland und Ketamin. Eine Symphonie des Großmarkts, Einstein at Walmart, Siinai sind das schwarze Loch am Ende der Kassenschlange in dem Raum und Zeit eins werden.