Warm Graves

2015

Der Abspann vorne weg: Die ersten Akkorde ihres Ships Will Come betitelten Debutalbums macht eine Orgel, so episch, dass sie auch einen James Cameron Film beschließen könnte. Dann ein stoischer Beat, unumstößlich, dann der Chor. Selten eine Platte gehört bei der die Gänsehaut schon nach 1 Minute und 8 Sekunden einsetzt – und! – bis zum Ende nicht wieder verschwindet. Das Debut der Leipziger Band Warm Graves ist wie ein schwarzes Loch, ein kurzer Sog zieht einen hinein, ab dann zentrifugiert wohliges Dunkel. Dass das live sogar noch besser werden kann ist ebenfalls nach 68 Sekunden klar. Warm Graves spielen gleichsam monoton und melodisch, so minimal wie bombastisch, überirdisch und doch gottesfürchtig. Healing Music. Die drei Skygazer steigen auf in Richtung Kosmos, spirituell ist das, psychedelisch und versöhnlich, fast lieblich trotz all der Wucht und so besonders, dass man eine ganz eigene Kategorie finden möchte. Vor allem diese Chöre haben es in sich. Während die Band im Altarraum jammt, mischen sie sich aus der Ferne ein, aus dem Off, herab von der Wolke wahrscheinlich. Man stelle sich vor, Spiritualized kollaborierte mit Arvo Pärt, die Instrumentierung scheint mit Gitarre, Orgel, Schlagzeug minimal – die Wirkung ist gewaltig.