White Lung

2016

Der Anspruch der Authentizität ist vor allem Gitarrenbands, Indiebands, geschweige denn einer Punkband wie White Lung gegenüber noch immer hoch. Das Leben von Sängerin Mish Barber-Way allerdings schien vor dem vierten Album »Paradise« (Domino) eher wenig Anlass für dringlichen Ausdruck zu bieten: »I am content in my life, which is really bad for writing songs. I’m not newly heart-broken or falling in love or struggling, so my dopamine is down along with my creativity. I’m married, content and happy. I make fine money. I like what I do for a living. I’m all serotonin.« erklärt sie in einem Gespräch mit Annie Clark aka St. Vincent. Was die kanadische Band mit der neuen Bürgerlichkeit anfängt ist so schlau wie genreuntypisch: Fortschritt und Perspektivenwechsel. Mit der Hilfe von Produzent Lars Stalfors klingen White Lung in 2016 plötzlich ziemlich nach 2016, das kanadische Bronchialtrio inhaliert ab sofort homöopathische Dosen von Pop und Shoegaze und was Barber-Way in der eigenen Realität nicht zum Husten bringt weiß sie Dritten anzudichten: »Two songs are written from the voice of famous serial killers. Another song is two people fighting. This album is schizophrenic. I took from books, stereotypical love fables and turned them.« Deutschland-Premiere, ne!