Für das Versponnene, Detailreiche und Gesamtkunstwerkliche beweist Thomas Morr seit jeher ein gutes Händchen. Und so fügt sich Sequoyah Tiger ohne Mühe und sogar ohne einen nach Weilheim oder Island wurzelnden Stammbaum in den Sound der Berliner Qualitätsmarke Morr Music ein. Die Musikerin Leila Ghraib aus Verona steckt ganz allein hinter dem Projekt Sequoyah Tiger, dessen Besetzung mit verschlossenen Augen kaum zu beziffern wäre. Ghraib ist eines dieser beeindruckenden Über-, Cross- und Multitalente – singend, tanzend, produzierend, filmend und zeichnend schafft sie eine Rundum-Ästhetik, die zeitlich nur schwer zu veroten ist, die Vergangenheit und Zukunft gewissermaßen überspannt, kombiniert und vermischt. So erinnert die durchweg freundlich-warme Klangpalette der Italienerin einerseits an kokette Pop-Songs der 60er-Jahre (Beach Boys, The Ronettes, Everly Brothers), andererseits an die warmen (und die kühlen!) Kraut- und Ambientexperimente von Kraftwerk und Brian Eno und dann plötzlich, in höchster Komplexität und angekommen im Hier und Jetzt, an die vielschichtigen Flechtarbeiten von Animal Collective oder Panda Bear. Dieser enorm quirlige Einfallsreichtum innerhalb der Grenzen des guten Geschmacks ist es, der Sequoyah Tiger so interessant macht. Er hält wach, fordert heraus und läßt den Enthusiasmus der Italienerin von der ersten Sekunde an überspringen.
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