Chris Imler

2014, 2019

Chris Imler, an anderer Stelle dieses Programms schon als «Don Corleone des Berliner Rock’n’Rolls» verschrien, ist wirklich sowas wie der Pate der Berliner Subkultur. Sein Menjou-Bärtchen ebnete einst den Weg zur allgemeinen Schnurrbartakzeptanz zwischen Oranien- und Torstraße, seine Kombinationen aus Haus- und Ausgehanzug sind legendär und überhaupt ist Imler seit jeher stilgebend immer da wo was los ist, und das auch noch mit 50. Ziemlich was los ist auch auf seinem Solo-Album für das er sich ein paar durchgefeierte Dekaden Zeit lies. Zeit, die er als Energiearbeiter am Schlagzeug verbrachte, da wo was los war, bei Peaches, Maximilian Hecker, Jens Friebe und zuletzt und bis heute Oum Shatt. Dazu mehr, wie gesagt, an anderer Stelle des Programms, denn Imlers ADHS-Syndrom trauen wir auch zu, dass es zwei Festivalshows an einem Tag meistert. Apropos Hyperkinetik, «Nervös» heißt das Album, was den Trommler nach all den Jahren plötzlich an den vorderen Bühnenrand schiebt. Ein Meisterwerk, ein Album wie drei Flaschen Club Mate, zitternd, zuckend, kribbelig. Auf deutsch und englisch, in einer Reihe mit Alan Vega und DAF und das ist ja nun wirklich nicht ganz so einfach. Wie am Fließband produziert Imler mit Drum-Maschines, Synthesizern und Vocodern einen No-Wave-Nomaden-Psych-Pop gespickt mit Slogans zwischen Sinn und Irrsinn. «Ich bin nur ein einfacher Arbeiterjunge, fass mich an und fass mit an» – Vorwärts, Chris! Nervös ist das neue Cool.