Haiyti

2016

»Du bist schon eine ganze Weile im Internet/Untergrund unterwegs.« stellt Fionn Birr eingangs eines langen Interviews mit Haiyti im Splash Magazin fest. Nur ein feiner Querstrich trennt Vertriebskanal und Selbstverständnis der Hamburger Rapperin – „Internet“ und „Underground“, zwei Bezugspunkte, die nach erfolgreicher Testphase in den USA nun auch im deutschsprachigen Hip Hop als Nährboden abseits von Major-Label-Strategien und Ghetto-Imitationen funktionieren. Haiyti ist eine Cloud-Rapperin, wobei wir vermuten und an ihr schätzen, dass sie dieses wie auch jedes andere gehypte Etikett von sich weisen würde. Mit dem HipHop hanseatischer Urväter hat Haiytis Sound nicht viel zu tun, die Beats sind digital und ätherisch, ihre Stimme melodisch und auto-getuned, mehr Gesang als Sprech, mehr Drake als Dendemann. Und dabei steht Haiyti ihren Kollegen aus der Wolke in Sachen Grenzüberschreitung und Selbstüberhöhung in Nichts nach. Ihre Worte brechen mit den verträumten Soundtracks, auf dem brillanten Mixtape »City Tarif« geht es um Nächte auf Speed und Kokain, um schnelle Autos und loses Bargeld, um »Patek am Arm« und »Single Malt im Becher«.