Der digitale Content-Vertrieb der Berliner Künstlerin houaïda folgt den Gesetzen der Verknappung. Ihre Soundcloud-Seite sagt »Nothing to hear here.«, Youtube liefert keinerlei offiziellen Ergebnisse, Spotify, Apple Music, Fehlanzeige. Und doch weist ein Kanal auf eine überaus rege Aktivität der Produzentin, Komponistin, Performerin und Diplomphysikerin hin. So erfahren wir auf einem Facebook-Profil von houaïdas mannigfaltigen Kollaborationen als Kuratorin der Reihe home_A Transonic Journey am Gorki Theater, als Mitglied der Performance-Gruppe Talking Straight, als Live-Musikerin neben TSF-Alumi Allie und als Teil von Holly Herndons hyper-holistischem Vocal Ensemble. Was houaïda in all diesen Funktionen umtreibt ist die Auflösung rigider Strukturen in Sound und Performance, die Loslösung der Musik von Kartierung und Sortierung hin zu einer hybriden, amorphen und transformativen Ausdrucksform. So singt houaida in einer eigenen, fiktiven Sprache, die sie Sehnsüchtig eurab nennt, taucht mit diesem betörenden, nie zu entschlüsselden Vokulabular in mystische, unberechenbare Tiefen von Pop, RnB und Noise ein. In begreiflichen Momenten erinnert houaidas Sound an RnB-Avantgardistinnen wie FKA Twigs oder Kelela, entzieht sich aber schon im nächsten Augenblick dem Kategorisierungsversuch und geht auf in einer postglobalen Utopie verschiedenster Klangfarben.
houaïda
2018