Human Abfall

2015

«Die Zeit ist abgelaufen, alles explodiert. Dialektik und Verstand völlig ruiniert.» Human Abfall leben viel in Stuttgart und ein bisschen in Berlin und vermögen es auch in der vierten Deutschpunk-Dekade Basis und Überbau mit unterhaltsamen Parolen voneinander fernzuhalten. Wir hier unten, ihr da oben, versteht sich. Vor einer schroff schreddernden Noisekulisse fallen die Begriffe Burn-Out, Bourgeoisie und Bombenhagel, Dom-Rep-Feeling, Übermensch und Schuldenschnitt. Aus Amtsschreiben, Warteschleifen und Gesprächsfetzen aus dem Jobcenter bastelt Sänger und Texter Flavio Bacon im Staccato ein klaustrophobisches Cut-Up neoliberaler Lebensrealität. Mit dem neuen Album «Tanztee von Unten» ist der Band ein veritables Update von Fehlfarbens Monarchie und Alltag gelungen. Der Sound ist den Anliegen entsprechend wenig melodisch: Sperriger Postpunk, verzerrter als Grauzone, akzentuierter als Campingsex, homogener als Fugazi. Die Taz übrigens steht total drauf und sieht in den kafkaesken Gesellschaftsanalysen der Band «ein Zeichen, dass der Mitte-Virus sich pandemisch über deutsche Städte legt, die Hipsterisierung auch im Schwäbischen bereits angekommen ist». Reverse-Engineering Torstraße. Sind die Schwaben also doch zu gebrauchen.