«Die Zeit ist abgelaufen, alles explodiert. Dialektik und Verstand völlig ruiniert.» Human Abfall leben viel in Stuttgart und ein bisschen in Berlin und vermögen es auch in der vierten Deutschpunk-Dekade Basis und Überbau mit unterhaltsamen Parolen voneinander fernzuhalten. Wir hier unten, ihr da oben, versteht sich. Vor einer schroff schreddernden Noisekulisse fallen die Begriffe Burn-Out, Bourgeoisie und Bombenhagel, Dom-Rep-Feeling, Übermensch und Schuldenschnitt. Aus Amtsschreiben, Warteschleifen und Gesprächsfetzen aus dem Jobcenter bastelt Sänger und Texter Flavio Bacon im Staccato ein klaustrophobisches Cut-Up neoliberaler Lebensrealität. Mit dem neuen Album «Tanztee von Unten» ist der Band ein veritables Update von Fehlfarbens Monarchie und Alltag gelungen. Der Sound ist den Anliegen entsprechend wenig melodisch: Sperriger Postpunk, verzerrter als Grauzone, akzentuierter als Campingsex, homogener als Fugazi. Die Taz übrigens steht total drauf und sieht in den kafkaesken Gesellschaftsanalysen der Band «ein Zeichen, dass der Mitte-Virus sich pandemisch über deutsche Städte legt, die Hipsterisierung auch im Schwäbischen bereits angekommen ist». Reverse-Engineering Torstraße. Sind die Schwaben also doch zu gebrauchen.
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