Ida Wenøe

2018

Die sogenannte Folk- und Singer/Songwriter-Musik ist (leider!) der Wohlstandsmüll der Musikindustrie. Massen davon treiben durch die digitalen Meere, eine EP jagt die nächste, bewaffnet mit Mikrofon und Akustikgitarre setzen auch 2018 die Studierenden der Pop-Akademien auf das Karrieresprungbrett wohliger Nostalgie. Diese Untiefen scheuend auf einen Schatz wie Ida Wenoe zu treffen überrascht. 2015 veröffentlichte die heute in Berlin lebende Dänin ihr Debütalbum Time of Ghosts. Auf diesem kommt zusammen, was das Genre Folk so interessant und vieldeutig macht: Schauder und Schönheit, Natur und Übernatürliches. So singt Wenøe von Geistern und Todessehnsüchten, von Horror und Ängsten und das mit einer Stimme, die durch Mark und Bein geht. Referenzen muss man bei den ganz großen Suchen: Joni Mitchel, Vashti Bunyan, Linda Perhacs, Neil Young oder, aus jüngerer Vergangenheit, die majestätischen Choräle der Fleet Foxes. Doch wäre es falsch Wenøes Wurzeln vor allem in der kalifornischen, psychedelischen Auslegung von Folk zu suchen. Denn so ist es vor allem das Englische, was zwischen Fingerpickings und Halleffekten mitschwingt. The Wicker Man kommt dem Autor dieser Zeilen in den Sinn, diese mulmige Mischung aus Horror-, Kriminal- und Musikfilm aus dem Jahre 1973. Den empfehlen wir zur Einstimmung, hat Ida Wenøe bestimmt auch gesehen!