Idris Ackamoor & The Pyramids

2015

Im mittleren Westen der USA liegt das Städtchen Yellow Springs und im Jahr 2010 zählte man dort 3487 Einwohner. Seit den Fünfzigerjahren, zu Zeiten Joe McCarthys arbeitet man dort an einem Ruf als linke Bastion im biederen Ohio. Als Motor dieser Reputation gilt bis heute eine Lehranstalt, die das Anti schon im Namen trägt: Das Antioch College, ein liberal arts college, berühmt und berüchtigt weit über die Grenzen des Bundesstaats hinaus. Hier finden sich Anfang der 70er Jahre zwischen Vietnamkriegs-Protesten, Black Power und Flower Power die drei Kernmitglieder der Pyramids zusammen. Idris Ackamoor, Margaux Simmons und Kimathi Asante waren dem Ruf von Cecil Taylor gefolgt und studierten allesamt Musik in Yellow Springs und schon bald finanziert Antioch den drei Musikern eine inspirative Studienreise, die jedes Erasmus-Jahr in den Schatten stellt: Von Ohio geht es nach Paris in die Niederlande, weiter nach Malaga, von Marokko nach Ghana, von Nairobi nach Äthiopien auf der Suche nach afrikanischen Rhythmen, Masken und Gewändern. Auf der Reise entstehen Unmengen an Fotos, Tonaufnahmen und eben das Kollektiv selbst, was in den nächsten Jahren drei stilprägende Alben zwischen modern jazz und afrikanischer Polyrhythmik aufnehmen würde: Kosmische Klangkollagen, radikal globalisierter Free-Jazz, so eine Art Bonus-CD für den Whole-Earth-Catalog. – Zeitsprung… 2010. Die Pyramids sind seit 33 Jahren Geschichte. Nachdem in Japan ein Bootleg des dritten Albums Birth Speed Merging kursiert, findet die Musik der Pyramids Wiederveröffentlichung auf verschiedenen Labels. Der Berliner Konzertagent und Freund unseres Hauses Christoph Linder wird auf die Gruppe aufmerksam und holt das Kollektiv für drei Touren nach Europa. Das Münchner Label DiskoB schließt sich der Begeisterung an und die Pyramids nehmen ein neues Album auf. Von Berkeley zum Boiler Room. Ihr Futurismus, ihr Globalismus und Aktivismus sind heute noch so relevant wie vor 40 Jahren und ihre Shows sind wie damals veritable Happenings.