Eine einheitliche Gestaltung fügt die Veröffentlichungen des norwegischen Experimental-Pop-Labels Hubro zu einem großen Ganzen zusammen: Jedes Cover ein verwackelter Schappschuss, darauf die Titel in etwas unbeholfenen Großbuchstaben. Eines dieser Cover zeigt eine Küste – Felsen, Brandung, das Meer scheint zu brennen. Es ist die aktuelle Single von Jessica Sligter, »Surrounds, Surrounds Me« heißt sie und das Bild trifft ihre Musik. Sligters Songs haben in der Tat etwas ozeanisches an sich, haben die beruhigende Wirkung eines Gemäldes von Caspar David Friedrich, doch brausen sie manchmal auf, denn irgendwo in der Ferne scheint es zu brennen, irgendwo ist etwas nicht in Ordnung. Die holländische Künstlerin lebt in Oslo, aus ihren früheren Projekten Jæ und Sacred Harp ist «Jessica Sligter« geworden. Sie kollaboriert regelmäßig mit ihren Kolleginnen Jenny Hval und Susanna und geht auch schon mal mit dem renommierten Trondheim Jazz Orchestra ins Studio. Sligter ist eine der großen Entdeckungen des diesjährigen Festivals, denn ihre Musik ist nicht nur komplex und emotional, sondern auf eine ihr eigene Art ausgesprochen politisch. Es ist fast Kritische Theorie, die Sligter in ihren Texten betreibt, feministische und kapitalismuskritische Torch-Songs, gleichermaßen wuchtig und innig. Es braucht kaum mehr als diese Kostprobe um ihr Konzert nicht missen zu wollen.
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