Molly Burch

2017

»Die Stimme von Molly Burch ist eine Zeitkapsel«, schreibt das Magazin The Fader. Und in der Tat, die Clicks von ihrem gerade auf Captured Tracks veröffentlichtem Debütalbum Please Be Mine hinüber zu den Songs der 50er Jahre Country-Ikone Patsy Cline zum Beispiel verlaufen gespenstisch reibungslos. Retro ist natürlich nichts Neues (haha.), trotzdem fällt es schwer diese perfektionistische Nachstellung einer vermeintlich heilen 50er-Jahre-Ästhetik nicht vor dem Licht aktueller Geschehnisse zu betrachten. Damals vollzog die weiße amerikanische Kultur im Angesicht einer nuklearen Apokalypse den Rückzug ins Private, träumte sich an die Strände von Hawaii, platzierte Frauen am Herd und Männer hinter die Lenker ölschluckender Straßenkreuzer. Die eskapistische Reaktion auf eine immer komplexere Welt könnte man auch Burch unterstellen, so beschreiben ihre herzzerreißenden Torch-Songs doch unantastbare, intime Welten, zeigen dem Gesellschaftlichen seine Grenzen auf und glorifizieren die eigene, private Harmonie. Ein Verteidigungsmechanismus? Vielleicht. – Und wenn ja, ein wunderschöner!