Die Westküste Kanadas hat die 1970er Jahre nie wirklich hinter sich gelassen. Noch immer bringt British Columbia die Stimmen und Stimmungen hervor, die nur in der Weite der Landschaft, in Abgelegenheit, bei Meeres- und Blätterrauschen entstehen können, diesen einsam verwunschenen Natur-Folk, der hierzulande nie keimte, lässt man Einzelerscheinungen wie Sybille Baier außen vor. Ora Cogan, geboren 1982 in Salt Spring Island (das klingt schon mal gut), lebt heute in Vancouver, zupft die Akustikgitarre, singt, und hat soeben den ersten Song ihres siebten (!) Studioalbums veröffentlicht. Eindringlich und doch gespenstisch ist ihre Musik, ihre Stimme gleichermaßen gefestigt wie gehaucht. Ein psychedelischer Wachtraum, diesig und verschwommen, ur-amerikanisch, gewürzt mit einer Prise Grunge, dessen geographische Wurzeln bekanntlich in benachbartem Terrain liegen. Wer Cogan zuhört begibt sich selbst in Gedanken auf die Reise, in einem Wohnwagen entlang einer zerklüfteten Küste, im Herbst, nicht im Sommer, allein, nicht mit Freunden.
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