Oum Shatt

2014, 2017

2014

«Oum Shatt ist eine Berliner Boy-Group unterhalb der Armutsgrenze» – ein Satz aus dem Pressetext der Band, der an dieser Stelle ob seines Reichtums an Subtext nicht unzitiert bleiben soll. Pleite aber Band, arm aber sexy. Das alte Berlin-Ding, eine Realität jenseits von Hipster Economy, Stadtmarketing und Hauptstadt-Souvenirs. Reich jedoch ist die Boy-Group Oum Shatt an illustren Mitgliedern, handelt es sich bei dem Trio doch um keine geringeren als um Sänger Jonas Poppe (Kissogram), Gitarrist und Schauspieler Hannes Lehman (Ex-Contriva, Mina) und Trommler Chris Imler (Driver and Driver / Die Türen), dem –ein weiteres Zitat aus dem Pressetext sei erlaubt– «Don Corleone des Berliner Rock’n’Rolls». Three Imaginary Boys also, die sich mit einem trocken zuckenden No-Wave-Entwurf äußerst überzeugend an staubige Riffs und arabische Schwingungen wagen. Ein bisschen Surf, ein bisschen Marxismus, beschwingt aber kalkuliert, in Schwarz-Weiß mit Krawatte und Anzug. Sollte es den Verein ägyptischer Post-Modernisten geben,  Oum Shatt, empfehlen sich als Tanzband zur Jahresfeier.

 

Super Sunday 2017

Mit den Gespenstern des Hier und Dort beschäftigt sich die Gruppe Oum Shatt. Seit Jahren fröhnt Sänger Jonas Poppe einer eskapistischen Sammelleidenschaft von türkischen und arabischen Schallplatten, deren Patina, Rhythmik, Skalen und Harmonien ganz offensichtlich auch in den mysteriös-eleganten Indie-Pop der Berliner Band eingeflossen sind. So vermischt sich bei Oum Shatt im Weddinger Proberaum türkischer Psychedelic mit kalifornischem Surf und New Yorker No-Wave zu einem nostalgischen Phantasma; entworfen von einem schier unwiderstehlichen und zum Anlass der 2014er Ausgabe dieses Festivals bereits ausführlich beschriebenen Quartett. Die Supergroup von Poppe, Imler, Lehmann und Wolschina kehrt also nach nur 3 Jahren zurück zum Torstraßen Festival – aus gutem Grund!