Manche Songs sind so gut, dass es einem vorkommt als kenne man sie schon ewig. Prettyboy von Sam Vance-Law ist einer davon. Kurze At-The-Drive-In-Gitarre als Intro, dann sanfter Chorgesang, weiter Richtung Franz-Ferdinand-Funk und, komplett verrückt – Streicher, Klavier, Operetta, wooop, zurück zum Anfang. Wow. War das nicht mal Single der Woche im HMV an der Oxford Street 1998? Falsch. Sam Vance-Law verbrachte zwar seine Kindheit in England, ging dann aber zurück in sein Geburtsland Kanada um in Edmonton mit Mac DeMarco, Sean Nicholas Savage und TOPS rumzuhängen (Achtung, letztere auch dabei in diesem Jahr!). Später findet er nach Berlin, steht mit Dear Reader und vor Wallis Bird auf der Bühne und arbeitet mit Konstantin Gropper (genau: Get Well Soon) im Studio. Genug Namedropping, oder? Das Wichtigste bleibt natürlich die Musik, neben eben diesem Song hat Vance-Law nämlich eine ganze Platte in der Warteschleife: Homotopia heißt diese und hinter einem barocken Cover verbergen sich (wir wissen es schon!) zehn kammerpopmusikalische Geschichten über das Schwulsein. Dass jeder einzelne dieser Songs so toll ist wie Prettyboy sei an dieser Stelle erwähnt; glauben wird man uns das wohl erst am 10. Juni. Verstehen wir.
–
–