Das Metier des Singer-Songwiters ist eines der ältesten und ersten der Pop-Musik, über mehr als ein halbes Jahrhundert haben sich etwa 739.735 Musiker daran versucht, mit Gitarre und Klavier ihre Anliegen, von persönlich bis politisch, zu vertonen. Das Ding ist durch, möchte man meinen, allerdings scheint diese Disziplin vor allem verknüpft mit dem Reiz an der Person, die sich daran versucht. Charakter und Persönlichkeit des Künstlers sind in dieser Kunstform der Pop-Musik wohl am engsten mit dem Werk verknüpft. Und da Künstler auch Menschen sind und man von tollen Menschen nie genug hat, kommt hier Scarlett O’Hanna aus Toulouse! Erstmal toller Name natürlich, als «format-killer» wurde sie beschrieben, ihre frühe EP Cheap Bling Bling, dessen Cover sicher nicht zufällig an Patti Smith’s Horses erinnert versteckt zwischen fünf collagierten Instrumentalstücken die ersten zwei fantastischen Songs mit Stimme. Mehr singen, muss sie sich gedacht haben. Danach kamen, einer exponentiell ansteigenden Energiekurve folgend, die Alben Impostor und zuletzt die brillante Platte Romance Floats. Darauf geht es auf und ab, Bon Iver’sche Melancholie, Arcade-feurige Ausbrüche, Minimalismus à la Regina Spektor. Im Ganzen klingt das dann viel mehr nach New York als nach Toulouse. Nach leeren Rotweinflaschen und einer Menge selbstgedrehten Zigaretten. Nach euphorischer Zwei- und und apathischer Einsamkeit. Und vor allem einzigartig nach Scarlett O’Hanna.
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