Sean Nicholas Savage

2018

Die Bemühungen, den kanadischen Wahlberliner Sean Nicholas Savage auf dieses Festival einzuladen, sind so alt wie das Festival selbst. 2012 war er bereits als Stargast im Kreise von Touchy Mobs verwegener Supergroup im Kaffee Burger zu sehen, nun, ganze sechs Jahre später, wird der meist mit kaum mehr als Playback und Mikrofon ausgerüstete Songwriter erstmals solo im Rahmen des Festivals zu sehen sein. Dabei ist Sean Nicholas Savage gewissermaßen der Übervater jener neuen DIY-Romantik, deren Vertreter*innen sich beispielsweise um die Konzertreihe Shameless & Limitless, das Label Mansion & Millions oder die Neuköllner Bar Das Gift scharen und denen das Torstraßenfestival seit Langem verbunden ist. Auf gefühlten 10 bis 20 Alben, zumeist beim kanadischen Label Arbutus im Kasettenformat erschienen, arbeitet sich Savage am Genre des Kuschelrock ab; als nunmehr kuschelrockistisch allerdings ist seine Musik zu beschreiben, hat sie doch die Fallstricke des Genres bis ins Detail verstanden. Sie benutzt sie, übertreibt sie maßlos und konterkariert sie mit dem gar nicht so flauschigen Bad-Boy-Image des Sängers. Denn Savage, sein Name ist wohl wörtlich zu nehmen, gibt sich als nicht zu bändigender Träumer, als Filou, als Rumtreiber, Verführer und Bösewicht, dessen Empfindsamkeit ungezügelt hervorbricht, dabei gleichermaßen anzieht wie abstößt und so das Publikum in einen stets doppelbödigen Bann zieht. Hui!