Stella Chiweshe

2017

Wenn es um afrikanische Musik geht, geistert in unseren Breiten meist isoliertes Fachwissen in Sachen traditioneller Stile und globaler Instrumentenkunde durch die Ankündigungstexte. Die Musik Afrikas (Africa is not a country!) wird gern durch die Lupe angeschaut; Faszination von dem Anderen und Exotismus anstatt einer Einordnung in die globalen Zusammenhänge von Musik und Klangkunst. Wenn aber Stella Chiweshe aus Simbabwe die unter den britischen Kolonialherrschern verbotene Mbira in Schwingungen versetzt wird plötzlich alles eins. Parallen zu den Repetitionen von Steve Reich, Enos Ambientwerken oder den sanften Schlaflieder von Múm offenbaren sich im Umkehrschluss, Pop-, Avantgarde- und Kulturgeschichte re-connected. Denn Pop-Musik ist ein globales Phänomen, mit teils unergründlichen Wurzeln, Querverbindungen und Koinzidenzen und, zurück zum Thema, Stella Chiweshe ist ein echter Pop-Star. Seit den früher 1970er Jahren oszilliert sie zwischen Mbira-Trance und Afro-Pop, verdiente sich so den Beinamen »Her Majesty – The Queen of Mbira music from Zimbabwe« und ist weltweit mit Lamellophon und Stimme unterwegs – als wohl prominenteste Frau in der männerdominierten Mbira-Musik. Heute lebt und arbeitet Chiweshe in Berlin – ein glücklicher Umstand, der es uns erlaubt diese tolle Frau auf unser Festival einzuladen.