2012
Wenn im Spätsommer in Neukölln die Sonne im roséfarbenen Meer versinkt und die reichen Kubaner in Ihren weißen Lamborghinis die Bässe aufdrehen, dann sitzt Dan Bodan in einer weichen Strickjacke im letzten Liegestuhl, nippt am Milchshake und schunkelt eine einsame Melodie in seinen überhitzten Laptop.
Dan nennt sich selbst einen Singer-Songwriter. Auf den spärlich im Netz gesäten Songs schwooft sich der Kanadier wie ein postmoderner Elvis durch digitale Echos.
2018
Mit einem Backkatalog aus Raritäten, guilty pleasures und großen Zeitgeist-Hits (Dp, Aaron, Hunger Games, Soft As Rain, …), einem Album auf DFA Records, einer Hauptrolle in Britta Thies Online-Soap-Opera Transatlantics und dem jüngsten Piano-Ambient-Werk Vacation Sounds kehrt der kanadische Digital-Songwriter Dan Bodan nach nunmehr sechs Jahren an eine frühe Wirkungsstätte, das Torstraßen Festival, zurück. Damals von uns noch unbekümmert als postmoderner Elvis beschrieben, zeitweise zwischen den Berliner Underground- und Expat-Institutionen Times Bar (R.I.P.), Chester’s (R.I.P.) und New Theater (R.I.P.) durchaus als bigger than Elvis wahrgenommen hat sich Dan Bodan in den letzten Jahren eine ihm eigene, immer verblüffende, komplexe, berührende, manchmal widersprüchliche, und nicht selten unverstandene musikalische Nische geschaffen. Als Songwriter mit digitalen Mitteln vollzieht Bodan in seinen Stücken den Zeitenwandel von Reality TV über Virtual Reality zurück zur eigentlichen Reality, von Moderne über Post-Moderne zurück zum crazy little thing called IRL auch bekannt als: Das Ich, die Zwischenmenschlichkeit, das Wesentliche, das großen Gefühl, die ewige Emotion. Dan Bodan FOREVER? Dem Autor dieser Zeilen, soviel sei offenbart, bescheren Bodans Songs von damals wie heute durchweg Gänsehaut. Es muss die scheinbare Einheit aus berechneter Technologie und menschlicher Empathie / Gefühlsduseligkeit zu sein, die dieser physiologischen Regung zugrunde liegt, eine Form von Reverse-Singularity, die Einswerdung von Jetzt und Ewigkeit – die ganz seltene, so schwierig zu bewerkstelligende Kunst den Zeitgeschmack und das Unumstößliche auf einen Nenner zu bringen. Im Grünen Salon wird Bodan ein neues Werk namens »SLUM« präsentieren, einen Song-Zyklus zeitgenössischer Kammermusik, ursprünglich beauftragt durch die 9. Berlin Biennale und entwickelt während verschiedener Residenzen in Teheran, Tokio und Athen.
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