Aldous Harding

2015

Wer sich mit soviel Wehmut wie wir an das Konzert von Tiny Ruins in der überfüllten Z-Bar vor 3 Jahren erinnert, horche auf. Der ferne Inselstaat Neuseeland schickt uns noch so eine tolle Stimme mit noch so tollen Songs: Aldous Harding aus dem Hafenstädtchen Lyttelton, Koordinaten: 43° 36’ S, 172° 43’ O, Einwohner: 2.859. Die Nähe zur See hört man ihr an. Das Gitarrenspiel ist minimalistisch, ihre Stimme scheint immer etwas heiser, rau ist das, ehrlich, düster, «gothic fairytales» ist der Begriff mit dem Hanna Claynails Harding selbst ihre Musik beschreibt. Die Reminiszenz an den Folk vergangener Tage, an Vashti Bunyan, Sybille Baier oder Linda Perhacs wohnt zwar ihrer Musik inne, jedoch hat man nicht das Gefühl einer nur stilisierten Träumerei beizuwohnen. Zeitlos, kein sich mit Pop-Musik allzu gut vertragendes Adjektiv, drängt sich als Beschreibung auf, so enthüllt sind die Arrangements, so bar liegt Hardings Stimme. Eine ganz und gar außergewöhnliche Repräsentantin eines sich bei uns unbemerkt einschleichenden Phänomens: Kiwi-Folk.