Zugezogen Maskulin

2014

«Abseits der Städte, in Dörfern, die mit -ow oder -itz enden, hier lernst Du Kids kennen die nix kennen.» Im Gegensatz zum einschläfernd selbstreferenziellen Deutschrap-Mainstream, der seine Relevanz wahlweise mittels Casting-Shows, Strafprozessen, gutem Aussehen, Major-Deals oder Pandamasken einfordert, wagen Zugezogen Maskulin das scheinbar Unmögliche: Den Blick über den eigenen Tellerrand, die Ausweitung der Kampfzone mit den Waffen Hirn, Haltung, Hysterie und Humor. Das Doppelpack Testo und Grim104 kommt eigentlich aus Stralsund und Friesland und ist, wie der Name vermuten läßt, neu in der Stadt. In ihren Texten geht es um Gentrifizierung, 68er-Eltern, das Berliner Hinterland, Crystal Meth, Neonazis, Hipster, Undercuts und Tumblr Blogs. Conscious Rap? Nein. Sozialer Realismus, Rap für’s Feuilleton? Ja, aber geil. Das Unbehagen und die Wut der jungen Männer sind schlau und dringlich zugleich und auch musikalisch ragen die witch-house-nahen Produktionen weit über rap.de hinaus. Da knacken ja doch noch Synapsen im deutschen Rap.