Auf Absence, dem vierten Album von Biblo beschäftigt sich die Türkin Pınar Üzeltüzenci mit den sozialen und politischen Tumulten 2013 in der Türkei. Das Album ist in dieser Zeit entstanden, über den Zeitraum von einem Jahr. Angesichts der Geschehnisse m Gezi-Park entschied sich die Pendlerin zwischen Istanbul und Berlin in ihrer Heimatstadt zu bleiben und die Erfahrungen und Reaktionen seismographisch in Musik zu übersetzen. Die Herangehensweise ist eine zutiefst emotionale, das Ergebnis eine beklemmende Irrfahrt durch verwaschene Dub-Sounds, fernes Rauschen und Knistern, Stimmen und Melodien werden allenfalls vage angedeutet. Der Gesang kommt quasi ohne Worte aus. Absence meint, so die Künstlerin, «die Abwesenheit von Verlangen, die Abwesenheit von Wurzeln, die Abwesenheit von Bedeutung und die Abwesenheit von Gerechtigkeit». Biblos Musik ist eine klangliche Dislokation, ein unstetes Dazwischen, ein Sich-Zurechtfinden, das Herantasten an etwas Greifbares. Diese scheinbare Orientierungslosigkeit, zweifelsohne eine Reflexion der Geschehnisse, macht den Reiz der Musik aus. Biblo öffnet eine Tür in ein düsteres Labyrinth, offenbart Ängste und Geheimnisse und überträgt das existentielle Spannungsfeld aus Privatem und Politischem in eine elektronische Geräuschkulisse.
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