Okay, unser Isländisch ist nicht besonders gut. Eigentlich gar nicht vorhanden, to be honest. Aber dass es bei Countess Malaise um Unbehagliches geht und dass es in Island eine veritable Underground-Rap-Szene gibt, haben wir schon gelernt. Dýrfinna Benita, ihr ahnt es, kommt aus Island. Das Bezugssystem der jungen Rapperin ist ein düsteres: Countess – die Gräfin, Malaise – das Unwohlsein. Benita mag Splatterfilme, die Powerpuff Girls und den Manga-Zeichner Junji Ito. Ihr Name Countess Malaise reimt sich auf Modesty Blaise, eine Comic- und Romanfigur der 60er-Jahre, einer »gefährlichen jungen Frau mit zahlreichen Fähigkeiten, die aufgrund ihrer kriminellen Vergangenheit immer wieder in Auseinandersetzungen mit Verbrechern an exotischen Schauplätzen in aller Welt verwickelt wird.« Und so inszeniert sich Countess Malaise als lidschattenverschmierte Rächerin aus der Unterwelt, als comichaft überzeichnete Goth Bitch, deren Texte allerdings weit über den ästhetisierten Grusel hinausgehen. Denn es geht um die prosaischen Schattenseiten des Lebens: um Depression, Gewalt, Selbstmord. »Ich fühle mich nicht traurig, wenn ich rappe, es gibt mir Macht, auch wenn die Texte ziemlich abgefuckt sind«, sagte Benita in einem ihrer noch seltenen Interviews, »und das ist fantastisch«. »Rap ist Poesie. Rap ist Kunst«, weiß Benita, und Rap funktioniert in diesem Sinne auch als eine Bewältigungsstrategie des Erlebten. Countess Malaise: Dark, deep und der Geheimtipp 2018.
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