Hush Moss

2016

Die Koordinaten Disco, Lounge, Funk und Fahrstuhlmusik sind nicht unbedingt das, was uns Pop-Connaisseure aus dem kühlen Schatten des aufgeschlagenen Spex-Magazins hervorlockt. Die von Israel nach Berlin verpflanzte Band Hush Moss hat sich eben diese Stichworte auf das Revers ihrer – und jetzt geht es schon los – Seidenhemden geschrieben und macht auch sonst so viel falsch, dass es richtig gut wird. Soulful und sultry sind die zwei Abschreckungsadjektive, die in der Selbstbeschreibung gleich zu Anfang fallen. Der Sänger der ein- bis zehnköpfigen Band erlaubt zwischen Fuß und Bühnenboden nur weiße Tennissocken, und das Intro zu »It Takes a Lot« erinnert zweifelsfrei an die Titelmelodie der Fernsehserie Alf. Denn, ja, es wird natürlich auch Saxophon gespielt. Dass der glatte Yachthafen-Pop der 70er-Jahre ein Revival erlebt war zuletzt an den erfolgreichen Too-Slow-To-Disco-Compilations abzulesen und auch diese Veranstaltung wagte sich mit Künstlern wie Olivier Heim bereits an Deck. Wo die Grenzen zwischen Subversion, Ernst und Satire wirklich verlaufen, mag man die Band selbst fragen, oder (wie wir) die Widersprüche einfach genießen. Bei Piña Colada zum Beispiel.