Gaststätte W. Prassnik
Torstraße 65

17:00 Handjerks
19:00 FFX
21:00 Infinite Bisous

An einer Ecke in Berlin, dort, wo die stille Angermünder in die laut anbrandende Torstraße mündet und wo die Mitte vom Prenzlauer Berg geschieden wird, befindet sich die Gaststätte W. Prassnik. Erst am frühen Abend, wenn viele Leute nach Hause gehen und auf ihrem Weg denen begegnen, die jetzt erst ihre Wohnungen verlassen, öffnet sich ein schmuckloser Rolladen und gibt nur zögerlich den Eingang ins Innere frei, wo sich eine zurückhaltend, aber präzise-detailliert mit dezentem Wie-früher-Schick eingerichtete Kneipe als perfekte Emulation einer HO-Gastwirtschaft erweist, also eines Lokals aus der verblichenen DDR. Abend für Abend wartet Herr W. Prassnik darauf, dass sich der Schankraum im Laufe der Nacht bis auf den letzten Platz im Sitzen wie im Stehen mit kundigen Gästen füllt, um dann seinem aus dem Russischen stammenden Namen alle Ehre zu machen: Feier! Fest! Während auf der anderen Straßenseite das Kaffee Burger vom internationalen Publikum belagert wird und in der Volksbühne vom nahen Rosa-Luxemburg-Platz die Ära Castorf in ihren letzten Zügen liegt, zieht das Prassnik kleine Kreise und ist doch zentraler Lebensmittelpunkt für die Intelligenzija der Berliner Mitte. Hier treffen sich die Neunmalklugen und Blitzgescheiten, die Bescheidwisser und die Meinungslektoren, die Künstler und die Kunstmacher, die Kleinen und die Großen, weder oben noch unten, eben die Mitte und geben sich ihrem sozialen Drang hin, angeregt durch das süffige Bier aus der Hausbrauerei, welches Herr Prassnik in heller und in dunkler Sorte ausschenkt.