Als Gegenentwurf zum neoliberalen Eigenblutdoping beschäftigt sich die Lichtenberger Band AG Form auf einem neuen Album namens »Commons« mit Gemeinplätzen, mit Orten, an denen sich getroffen wird, an denen Musik als gemeinsame identitäts- und handlungsstiftende Praxis entsteht. So fungieren als Songtitel oftmals Orte des öffentlichen Lebens, wie »Kalek« (Gemeinde in Tschechien), »Detmold« (Stadt in der Region Ostwestfalen-Lippe) oder »Shuttlebus« (wahrscheinlich nicht zwischen Kalek und Detmold verkehrend). Der Sound, der die Hörer*Innen an diese Orte trägt, entsteht in höchstem Maße kollaborativ, sowohl elektronische Muster als auch jazzige Klangfarben werden in das Gitarre-Gitarre-Bass-Schlagzeug-Set-Up des Quartetts integriert. Gesungen wird nicht, das Geben und Nehmen zwischen den live frappierend harmonierenden Bandmitgliedern führt zu einer nie angestrengt, aber immer präzisen und durchdacht wirkenden Dynamik. Auch visuell rückt die Band die Markenkerne Zusammenarbeit und Dynamik in den Fokus, indem sie sich als Team tatkräftiger Jungunternehmer inszeniert. Auf diese Weise persifliert AG Form Ästhetik und Selbstverständnis der Berliner Start-Up-Szene und verortet sich zugleich klug zwischen den zwei möglichen Bedeutungen der im Bandnamen festgeschriebenen Großbuchstaben: Arbeitsgemeinschaft und Aktiengesellschaft.
AG Form
2018